Wann haften WEG-Verwaltungs- beiräte?

13. Dezember 2018


Wann WEG-Beiräte schuldhaft ihre
Pflchten verletzen, dazu gibt es unter-
schiedliche Rechtsauffassungen

 

Zu den Aufgaben der Verwaltungsbeiräte von Wohnungseigentumsgesellschaften gehört es, die Jahresabrechnung zu prüfen und zu kontrollieren. Doch wie weit müssen die Ehrenamtlichen im Zweifel nachforschen, um ihre Pflicht zu erfüllen? Und welche Konsequenzen drohen, wenn sie versagen? Dazu gibt es sehr unterschiedliche Urteile, wie der Verbraucherschutzverein Wohnen im Eigentum herausgefunden hat.

Der Bonner Wohnungs-Verwalter Herbert Feldmann wurde in diesem Jahr zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er 4,6 Millionen Euro von den Konten der Wohnungseigentümer in die eigene Tasche gelenkt hatte.

Eine WEG, die einen Schaden von 830.000 Euro verkraften musste, verklagt anschließend ihren alleinigen Beirat, weil dem Mathematiker jahrelang die Widersprüche in den Abrechnungen nicht aufgefallen waren. „Dabei kam keiner der vom Girokonto auf das Feldmann-Transferkonto ohne Beleg überwiesenen Beträge, insgesamt 71.000 Euro, im Zeitraum von 2010 bis 2012 auf dem Sparbuchkonto der Instandhaltungsrücklagen an", erläutert einer der Betroffenen dem Verein Wohnen im Eigentum in einem Interview.

Doch das Amtsgericht Königswinter sieht keine schwere Pflichtverletzung des Verwaltungsbeirats bei der Kontrolle der Abrechnungen und weist die Schadenersatzklage der WEG zurück. In der Revision bestätigt das Landgericht Köln dieses Urteil, sieht sogar eher eine Mitschuld bei den Miteigentümern, weil ihnen die Unstimmigkeiten nicht früher aufgefallen sind.

Dürfen sich Wohnungseigentümer tatsächlich nicht darauf verlassen, dass die WEG-Beiräte die Abrechnungen angemessen prüfen und kontrollieren?

Die Rechtsprechung dazu ist sehr widersprüchlich, wie Wohnen im Eigentum herausgefunden hat. Der Verein fordert deshalb, die Pflichten der WEG-Beiräte im Rahmen der anstehenden Reform des WEGesetzes unbedingt genauer zu definieren.

Wenn außerdem die Miteigentümer trotz des Einsatzes der Beiräte haftbar bleiben, sollten sie zusätzliche Auskunfts- und Einsichtsrechte erhalten und mehr Zeit, um sich entsprechend auf Eigentümerversammlungen vorzubereiten.

Andererseits: Der Einsatz eines WEG-Beirats ist ein Ehrenamt mit einem hohen Haftungsrisiko. Jeder einzelne Beirat gilt mit seinem gesamten Vermögen als Gesamtschuldner gegenüber den Miteigentümern, wenn er schuldhaft seine gesetzlichen Pflichten verletzt. Diese Haftung kann zwar in einer Vereinbarung auf vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verhalten beschränkt werden. Doch Wohnen im Eigentum setzt sich im Zuge der Gesetzesreform dafür ein, dass nicht nur die Verantwortung der Beiräte klarer definiert wird, sondern sich im Gegenzug auch die Miteigentümer dazu verpflichten, die Kosten für Weiterbildungen und eine Haftpflichtversicherung der Beiräte zu übernehmen.