Genossenschaft – eine erfolgreiche Idee wird gefeiert

07. Juli 2018


2,2 Millionen Wohnungen werden in Deutschland von Baugenossenschaften verwaltet

Genossenschaft – eine erfolgreiche Idee wird gefeiert

Am ersten Samstag im Juli wird international der Tag der Genossenschaften gefeiert. In Deutschland sind besonders viele Menschen in Genossenschaften  zusammengeschlossen: Fast jeder Landwirt ist Mitglied, 90 Prozent aller Bäcker und Schlachter, dreiviertel der Einzelhandelskaufleute und mehr als die Hälfte der Handwerker und selbstständigen Steuerberater. Und: 3,2 Millionen Menschen sind Mitglied in einer Wohnungsbaugenossenschaft. Baugenossenschaften bewirtschaften zehn Prozent der Mietwohnungen in Deutschland, darin leben 5 Millionen Menschen. Was macht das Modell so erfolgreich?

Wenn sich Personen in Genossenschaften zusammenschließen, können sie mit dem gemeinsamen Geschäftsbetrieb ihrer Wertegemeinschaft für jedes Mitglied mehr erreichen als jeder für sich allein. Ein erfolgreiche Idee, auf die der Internationale Genossenschaftstag seit 1923 aufmerksam machen soll, seit 1992 auch mit Unterstützung der Vereinten Nationen, die damit auf den gemeinsamen Beitrag der Genossenschaftsbewegung und UN zur Lösung globaler Fragen hinweisen will.

Für die Genossenschaftsbewegung in Deutschland ist 2018 ist ein besonderes Jahr: Eine ihrer zentralen Persönlichkeiten, Friedrich Wilhelm Raiffeisen, wurde vor 200 Jahren geboren. Der Sozialreformer entwickelte Mitte des 18 Jahrhunderts Modelle zur Unterstützung von Landwirten sowie für ländliche Einkaufsgenossenschaften, um etwa Saat und Dünger gemeinsam günstiger einzukaufen. Viele Landbewohner waren nach der industriellen Revolution und der Bauernbefreiung durch hohe Abfindungszahlungen und Unerfahrenheit hoch verschuldet. Schlechte Ernten und Hungersnöte verschlechterten ihre Lage. Auch die Handwerker litten unter der Umstrukturierung. Für sie gründete zeitgleich Hermann Schulze in Delitzsch eine ähnliche Hilfsaktion.

Wohnungsbaugenossenschaften wurden Ende des 19 Jahrhunderts gegründet, um die katastrophale Wohnungssituation in den explodierenden Städten zu verbessern. Doch erst, nachdem das Genossenschaftsgesetz von 1889 die Haftungspflicht beschränkte und langfristige, zinsgünstige Darlehen großer Altersversicherungen zur Verfügung standen, entwickelten sich in ganz Deutschland Baugenossenschaften. In der Vor- und Nachkriegszeit wurden sie auf den Bau und die Vermietung von günstigen Wohnungen verpflichtet und dafür von bestimmten Steuern befreit. Nach der Aufhebung dieser Wohnungsgemeinnützigkeit sind die Baugenossenschaften nur noch von der Körperschaftssteuer befreit, solange sie schwerpunktmäßig Wohnungen an Mitglieder vermieten.

Laut der Marketinginitiative der deutschen Baugenossenschaften gibt es (Stand Herbst 2017) rund 2.000 Baugenossenschaften in Deutschland, die 2, 2 Millionen Wohnungen verwalten und jedes Jahr 4 Milliarden Euro in Neubau, Instandhaltung und Modernisierung investieren. Die fünf Großstädte mit den meisten genossenschaftlichen Wohnungen in Deutschland sind Leipzig (19,5%), Dresden (14,7%), Hamburg (14,1%), Berlin (11,5%) und Hannover (10,4%). Die durchschnittliche Netto-Kaltmiete der Genossenschaften beträgt 5,27 Euro, gegenüber 7,69 Euro auf dem freien Markt.