Scheidung: Streitthema Immobilie

02. Mai 2018


Verkauf, Vermietung oder Übernahme durch den Partner:
Bei einer Scheidung gibt es schnell Streit um die Immobilie

Das eigene Haus – der Traum vieler Paare kann bei einer Scheidung zu einer zusätzlichen Belastung werden. Denn wenn kein Ehevertrag vorliegt, in dem der Umgang mit der Immobilie geregelt ist, muss in einer emotional angespannten Zeit darüber verhandelt werden, wie es mit dem Eigenheim weitergehen soll – oder muss.

In einer Ehe gilt in Deutschland automatisch die Zugewinngemeinschaft, wenn nicht vertraglich etwas anderes geregelt wurde. Es bleibt also im persönlichen Besitz, was die Partner mit in die Ehe gebracht haben – aber auch alles, was sie nach der Hochzeit auf ihren Namen angeschafft, beziehungsweise geschenkt bekommen oder geerbt haben. Nur das gemeinsam in der Ehe hinzugewonnene Vermögen wird bei einer Scheidung geteilt, ebenso wie gemeinsam aufgenommene Kredite.

Wenn also einer der Partner ein Haus mit in die Ehe gebracht hat, die Modernisierung aber mit einem Kredit finanziert wurde, den beide gemeinsam aufgenommen haben, erhält die Frage wer im Grundbuch steht nach einer Scheidung erhebliche Brisanz.

Solange die Ehe allerdings nicht rechtskräftig geschieden ist, spielen die Besitzverhältnisse für die Nutzung des Hauses noch keine entscheidende Rolle. Denn in der Trennungszeit gilt die Immobilie nach wie vor als Ehewohnung und ist damit rechtlich besonders geschützt. Der Grund: Die Trennungszeit soll den Partnern die Chance geben, wieder zusammen zu finden. Wenn die gemeinsame Ehewohnung aber vorher aufgegeben wird, erschwert dies die Rückkehr zur ehelichen Gemeinschaft.

Wenn die Partner während Trennungszeit nicht mehr unter einem Dach leben wollen, sich aber nicht einigen können, wer von beiden ausziehen soll, kann beim Familiengericht ein Antrag auf Zuweisung der Familienwohnung gestellt werden. Das Gericht wird aber nur dann einen der Eheleute zum Auszug verpflichten, wenn es in der gemeinsamen Wohnsituation eine „unbillige Härte“ für den anderen Partner erkennt. Gründe für solche Härten sind häufig das Wohl der Kinder oder häusliche Gewalt. Sind diese Gesichtspunkte nicht relevant, kann das Gericht allerdings auch die Eigentumsrechte bei der Abwägung der Interessen berücksichtigen. Wichtig: Der Auszug eines Partners während der Trennungszeit ist keine Vorentscheidung darüber, wie es nach der rechtskräftigen Scheidung mit der Immobilie weitergeht, die dann nicht länger als Familienwohnung gilt.

Oft gerät das Noch-Ehepaar nach einer Trennung allerdings schnell finanziell an seine Grenzen, weil die Kreditraten zu hoch sind, um einen weiteren Haushalt und eine zusätzliche Miete zu bezahlen. Gehört die Immobilie beiden Partnern, müssen sie sich bei der Scheidung einigen, ob sie das Haus teilen, verkaufen oder vermieten wollen. Es ist auch möglich, dass einer der Partner das Haus übernimmt und den anderen Miteigentümer auszahlt – wenn sich beide auf einen Kaufpreis einigen können. Wenn das nicht möglich ist, kann einer der Eigentümer eine Teilungsversteigerung beantragen, zum Beispiel, wenn er finanziell dringend auf seinen Anteil aus dem Erlös des Hauses angewiesen ist. In diesem Fall wird es allerdings weit unter dem Marktwert verkauft – ein Umstand, auf den manchmal der solventere Partner setzt, um die gesamte Immobilie bei so einer Zwangsversteigerung zum Schnäppchenpreis in seinen Besitz zu bringen.

Nicht zuletzt gibt es aber auch nach einer Scheidung Gründe, von einem Partner die langfristige alleinige Nutzung des Hauses zu beantragen, sogar, wenn er gar nicht Miteigentümer der Immobilie ist. Das wichtigste Kriterium des Gerichts ist dabei das Wohl der Kinder.

Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten, bei einer Scheidung mit der gemeinsam genutzten Immobilie umzugehen, sollte dies besser vorab in einem Ehevertrag geregelt werden. Doch anders als bei Unfällen, Hausbränden oder Zahnverlust, deren Folgen meist eine zuvor abgeschlossene Versicherung abfedert, wird für den ebenso unerwünschten, aber nicht auszuschließenden Fall einer Trennung sehr viel seltener Vorsorge getroffen.